Welten

DER AUF ZWEI EBENEN UND 3500 M² ANGELEGTE STÄNDIGE RUNDGANG LÄDT DIE BESUCHER EIN, SICH AUF EINE REISE DURCH DIE FÜNF KONTINENTE ZU BEGEBEN und die wichtigsten Süsswasser-Ökosysteme mit ihrer besonderen Fauna und Flora zu entdecken.

Dieser Rundgang ist um 5 Biozonen und 12 Naturmilieus herum aufgebaut, die jeweils einer ganz speziellen Szenografie folgen. Diese Projektstruktur unterscheidet sich klar von der bekannter Aquarien-Vivarien: Sie bietet eine intime und sensible Besuchserfahrung, die in engem Zusammenhang mit der Thematik der Anlage steht und helfen soll, zu verstehen, ohne zu bedrängen, auf etwas hinzuweisen, ohne zu missionieren, zu zeigen, ohne zu lenken. Die 5 Biozonen sind geografisch weit voneinander entfernt: Europa, Afrika, Asien, Ozeanien und Südamerika. Doch alle haben eines gemeinsam: Neben ihrem spektakulären, ja aufgrund der grossen gezeigten Vielfalt und der angewandten technischen Gestaltung geradezu theatralischen Charakter legen sie den Schwerpunkt auf die Zerbrechlichkeit der Ökosysteme, deren Bewahrung
unsere Aufgabe ist. Denn Süsswasser macht nur 2,5% der Naturreserven des Planeten aus.

 

EIN ENTDECKUNGSPARCOURS

Der Besucher ist aufgefordert, in die Vergangenheit zu reisen und seinen Blick zu öffnen, einzutauchen in die Vorzeit und sich dann von der Evolution mitnehmen zulassen, die Welt in ihrer Vielfalt und zeitlichen Bedingtheit zu erkennen, sich des Wassers als einendem, aufbauendem Element des Lebens und der ursprünglichen Erdentstehung bewusst zu werden.
 

Ebene 0

Das Erdgeschoss beherbergt:

Den Empfangsbereich: Tauchen Sie gleich zu Beginn mit der Eingangshalle und einem Souvenirshop in die Welt von AQUATIS ein.

Das Restaurant: Spüren Sie die Atmosphäre Amazoniens mit einem Themenrestaurant und der zugehörigen Terrasse.

Die Technik: Bald können Sie bei gezielten Besuchen hinter die Kulissen schauen und die Landschaft, die Funktionsweise von Aquarien / Vivarien und den Bereich der Tierpflege entdecken.

Ebene 1

Die 1. Etage ist Europa gewidmet, wo das den Kontinent durchziehende Süsswasser der Rhone Landschaften geformt hat, aber auch die Industrien, die Kultur und Geschichte beeinflusste.

Ein Rundgang entlang der Rhone, von ihrem glazialen Ursprung bis zu ihrer Mündung ins Mittelmeer, verteilt auf verschiedene Bereiche: Ausstellungsbereich Alpiner Raum, Ausstellungsbereich Genfer See, Ausstellungsbereich Rhone und Ausstellungsbereich Camargue. Der Besucher wird auf Schritt und Tritt daran erinnert, dass in Europa eine unglaubliche Biodiversität herrscht, die Interesse und Aufmerksamkeit verdient. 

Und genau hier, am Wendepunkt der Reise, zwischen zwei Welten, erhebt sich der Spinosaurus aus einem in das Treppenhaus integrierten Unterseegraben. Er markiert den Eingang zum Ausstellungsbereich Evolution, in dem daran erinnert wird, dass alles Leben im Wasser begonnen hat.
 

Ebene 2

Am oberen Ende der Treppe im 2. Stock tauchen die Seen Afrikas und der Fluss Zaïre, die Mangrovensümpfe Asiens, der Fluss Mekong mit seinen schwimmenden Dörfern, der Pioneer River, der in das Great Barrier Reef fliesst und der überflutete Wald des Amazonasgebiets auf zwei Ebenen auf.

Alle erzählen sie von ihrer Schönheit und den immensen Bedrohungen durch die Unbesonnenheit des Menschen.
 

DER ALPINE AUSSTELLUNGSBEREICH,
RAUM DAS EIS ALS KLIMAGEDÄCHTNIS

Die erste Etappe der Biozone Europa ist die alpine Landschaft, die den Rundgang mit einer Eisgrotte eröffnet.

Die mit bei der Wiedergabe der Chauvet-Grotte erprobten Techniken umgesetzte Etappe versetzt den Besucher von Anfang an in das Phänomen der Grossen Eiszeiten hinein: Dank der interaktiven Inszenierung lässt sich erkennen, wie das Erdklima über 3 Millionen Jahre hinweg im Wechsel zwischen Eiszeiten und Warmzeiten funktioniert!

Anschliessend wird der Besucher durch den Rhone-Gletscher, die Quelle des gleichnamigen Flusses, geführt: Er macht sich auf zur Erkundung der Ursprünge des Gletschers, seines Wandels und in letzter Zeit erfolgten Rückzugs.

Hier entwickeln sich Salmoniden und für Wildwasserbereiche und Seen mit sehr sauerstoffhaltigem und kaltem Wasser typische Fische wie Bachforelle oder Europäische Äsche.

Um den Eindruck der völligen Immersion zu vermitteln, scheinen Becken, Aquarien und Vivarien wie in das Eis integriert.

AUSSTELLUNGSBEREICH GENFER SEE,
SPIEGEL DER WELT

Die zweite Etappe auf der Reise entlang der Rhone: der Genfer See.

Dieser See ist der grösste Süsswasserspeicher in ganz Westeuropa (89 Millionen m²), und 90% seines Wassers stammen aus der Rhone.
Der Genfer See bot vielen berühmten Schriftstellern von Victor Hugo über Rousseau, Dumas, Dostoïevski, Lord Byron, Lamartine und Mary Shelley bis Zweig Heimat und inspirierte sie.

Dieser im Herzen Europas liegende riesige See hält packende Perspektiven für den Reisenden bereit. Vom Ufer aus wirkt er exakt wie ein zwischen Felsen eingeklemmter Gebirgssee, während er sich von benachbarten Höhenzügen aus betrachtet in die Weite öffnet, wie ein Meer zur Welt hin. Wie kann man die zahlreichen Facetten dieses Spiegels der Welt, den die Romantiker als Spiegel des Menschen bezeichneten, sichtbar machen? Indem man den Besucher auf eine überhängende Anhöhe stellt, ihn zu einer Fahrt über den See einlädt und dann mit einem U-Boot in Raum und Zeit des Genfer Sees eintauchen lässt. Dabei erlebt er den Bergrutsch des Tauredunum, den darauf folgenden Tsunami, die Ufereroberung durch die Menschen, die Gefahren, die die Menschen für die Gewässer mit sich brachten, mit...

Hier ändert sich der Massstab erneut, und man kann sogar das Plankton erkennen.

DER AUSSTELLUNGSBEREICH RHONE,
MENSCH GEGEN NATUR

Nach der Durchquerung des Genfer Sees tritt die Rhone wieder zutage und ergiesst sich nach endlos langem Flusslauf in einem riesigen Delta ins Mittelmeer.

Ein Strom, der zu den mächtigsten Europas zählt und doch für immer seinen wilden Charakter verloren hat, zwei Jahrhunderte lang unaufhörlich geformt durch den Menschen, seine Industrien und sein Verlangen nach Energie. Die vielen aufeinander folgenden Anlagen haben die Flussabläufe verändert und weitreichende ökologische Veränderungen mit sich gebracht. Kanalisiert und überbrückt hat die Rhone ein völlig neues Gesicht bekommen.

Von einem dynamischen, ständigem Wandel unterworfenen Milieu wurde sie zu einem kanalisierten und homogenen Fluss mit eingeebneten Landschaften.

Als stumme Zeugen einer gezähmten, in ein Korsett gepressten, geknebelten Rhone werden Talsperren unter denFüssen des Besuchers spürbar.
Aus diesen Bauten mit pharaonischen Ausmassen, die allein mitten aus einer wilden Landschaft ragen, strömt der tobende Fluss machtvoll und majestätisch hervor und bringt den Besucher zum Staunen.

Hier stellt man die wirtschaftliche Nutzung der Rhone (Wasserkraft, Atomkraft...), die Fähigkeit des Menschen, die Natur zu beherrschen in Frage, und das mit gutem Grund: Daher werden seit den 1980er Jahren Programme
zur Renaturierung des Flusses verfolgt.

AUSSTELLUNGSBEREICH CAMARGUE,
EINE NICHT GANZ NATÜRLICHE SCHÖNHEIT

Und dann das Delta: Die Camargue, Hochburg der Biodiversität in Europa mit nahezu 500 schützenswerten Tier- und Pflanzengattungen, jährlicher Rastplatz für Zugvögel, ist der einzige Ort in Frankreich, an dem Flamingos nisten.

Die Camargue besitzt einen so ausgeprägten, so geschützten Charakter, dass man kaum glauben kann, dass es sich um einen in hohem Masse künstlich umgestalteten Raum handelt und die vielen verschiedenen Landschaften von Menschenhand gestaltet wurden. Und hier, am Fusse der Becken, in denen das durch das Aufeinandertreffen von Süss- und Salzwasser entstehende Wasserleben präsentiert wird, umgeben von einer sehr ursprünglichen Natur, hier findet das Erlebnis "Die Erde vom Himmel aus betrachtet" statt: Der Besucher fliegt in Begleitung von Flamingos, die pfeilschnell nach Afrika unterwegs sind, hoch über das Meer.

AUSSTELLUNGSBEREICH EVOLUTION,
ZU DEN URSPRÜNGEN DER ERDE

Der Ausstellungsbereich Evolution markiert den Übergang zwischen den beiden Ebenen und legt dabei das Hauptaugenmerk auf den Auszug des Lebens aus dem Wasser. 

Der Besucher klettert in einen unterirdischen Vulkankrater und wird dabei um 100 Millionen Jahre zurückversetzt. Denn zu dieser Zeit lebt ein über 10 Meter langer Spinosaurus, einer der grössten bekannten, im Wasser und an Land lebenden Dinosaurierer, dessen schreckliches, mit Zähnen gespicktes Gebiss beim Verlassen des unterirdischen Sichttunnels zu sehen ist.

Weshalb ein Dinosaurier als Dekorelement? Weil er Fische liebte.

Im grossen Becken dieses Bereichs wird jedoch die Evolution heutiger Fische veranschaulicht jedoch unter bestimmten Voraussetzungen: Alle hier präsentierten Gattungen wurden gewählt, weil sie sich erstaunliche prähistorische Merkmale bewahrt haben!

AUSSTELLUNGSBEREICH AFRIKA,
ZWISCHEN SEEN UND WÜSTEN

Afrika ist so gross, so vielseitig, so mysteriös.

Als Eingangstor wurde der Grosse Afrikanische Grabenbruch gewählt: Hier, ganz im Osten Afrikas, beginnt ein gigantischer Magmakessel die Erde auf Tausenden von Kilometern zu spalten.

Ein neuer Kontinent wird geboren. Hier finden sich die ungewöhnlichsten, je von der Natur ersonnenen Seen: der Turkana ist der salzigste See und der Kivu ist der « explosivste ». Der Natron ist der « ätzenste » See und der Tanganjika zählt zu den tiefsten Seen der Welt. Malawi beheimatet die farbenfrohsten Süsswasserfische, die es gibt: ein prächtiges Farbenspiel, dass die Besucher entdecken können. Diese Landschaft aus Steilküsten geht in ein Vivarium über, in dem die Entwicklung der Krokodile nachvollzogen werden kann. 

Anschliessend durchqueren wir die orangefarbene Namib-Wüste mit seinem riesigen unterirdischen Wasserreserven, der erst kürzlich in einer Tiefe von 600 Metern unter dem Sand entdeckt wurde.

Es folgt der Fluss Niger, der heute denselben urbanen und industriellen Zwängen ausgesetzt ist wie seinerzeit die Rhone.

AUSSTELLUNGSBEREICH ASIEN,
WASSER, MENSCHEN UND GÖTTER

In Asien, wo das Relief sehr markant ist und die Klimaunterschiede sehr deutlich sind, ist die Verteilung der Flüsse mehr noch als anderswo eng mit Geographie und Klima verbunden.

Der Fluss Mekong steht im Mittelpunkt; von Tibet, wo er entspringt, bis nach Südvietnam, wo er sich in einem gigantischen Delta ins Chinesische Meer ergiesst, nachdem er 4 Landesgrenzen überquert hat. Ein Wasserlauf der Zivilisation, Strasse der Naturreligionen, des Hinduismus, des Buddhismus, der Kunst doch der Mekong ist auch Schauplatz von Kolonisation, Unabhängigkeitskriegen, Konflikten zwischen Anwohnern, Migration... Ein
Fluss, der so mächtig ist, dass er die Fliessrichtung der ihn speisenden Wasserläufe umkehrt -, ein unglaublicher Reichtum an Wanderfischen, der Lehm, den er mit sich führt... Werden sich die Länder darauf verständigen können, dass diese Naturschätze nicht nur von einem unter ihnen vereinnahmt werden dürfen?

Der Besucher erkundet die Fischzucht in Reisfeldern und reist am Mekong und an seinen schwimmenden Dörfern in atemberaubendem Tempo vorbei.

Dann hält er kurz inne, um über das Grenzmanagement des Mekong-Flusses und über die engen Zusammenhänge von Wasser, Aquakultur und Landwirtschaft nachzudenken. Dann flaniert er über Mangroven und ihr Wurzeldickicht im Brackwasser weiter.

AUSSTELLUNGSBEREICH OZEANIEN,
SO FERN UND DOCH SO NAH

Die Mangrove ist nicht nur ein Bindeglied zwischen den Elementen sondern auch zwischen unterschiedlichen Territorien, denn sie stösst die Pforte zu Ozeanien, dem einzigen Kontinent, der gleichzeitig ein Ozean ist, auf.

Daher beginnt hier die szenografische Gestaltung mit dem Bericht eines Forschers aus dem 18. Jahrhundert und endet mit einem Immersionsbereich. 
Verloren in diesem azurblauen Meer fürchteten die Schiffsmannschaften früherer Zeiten, niemals an seine Grenzen zu gelangen; heute beginnt dieser aus der Polschmelze entstandene Wasserkontinent die paradiesischen Inseln der Pazifik-Archipele zu verschlingen.

Daher kehrt der Besucher an den Ausgangspunkt zurück: Zum Eis, der Quelle der Rhone, das nun zur Quelle der Ozeane geworden ist. Dieser Bereich beherbergt das zweite Meerwasserbecken des Rundgangs und beleuchtet die Gefahren, denen die Korallenriffe ausgesetzt sind, von einem neuen Blickwinkel aus.

Die grossen Klimagleichgewichte weltweit sowie die mit dem Ansteigen des Wasserspiegels verbundenen Gefahren werden ebenfalls erörtert.

AUSSTELLUNGSBEREICH AMAZONIEN,
GRÜNER SÜSSWASSEROZEAN

Südamerika beschliesst diesen Rundgang mit dem dem Amazonasgebiet gewidmeten Tropentreibhaus.

Diese einzigartige Region hat eine besondere Stellung inne, da sie zweifellos die grösste Biodiversität der Welt beherbergt: Sie bildet das Ende des AQUATIS-Besuchs und erinnert daran, dass das Wasser ein Synonym für Kreislauf, Leben, Wiedergeburt ist.

Ein riesiges tropisches Gewächshaus mit einer Fläche von 533 m², das sich in der Mitte des Gebäudes über zwei Stockwerke erstreckt, ist diesem Bereich gewidmet.
Ein gigantischer Bereich, bei dessen Durchquerung der Besucher das Klima des Amazonaswaldes mit einer Temperatur von 28°C und einer Luftfeuchtigkeit von 80% nachempfinden kann.

Hier ist das Reich der Riesenbäume, der Wasserfälle, der von Myriaden blauer Fische besiedelter Becken, der kleinen Affen mit weissem Gesicht, die ihr ganzes Leben auf demselben Baum verbringen.

Und in der Mitte dieses Stücks unseres Planeten ragt der "Baum, der den Regen steuert" empor. Zweifelnde Besucher haben die Gelegenheit mitzuerleben, dass das wirklich stimmt, ein Baum kann dem Himmel Befehle erteilen!